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15.11.2020 14:21 Alter: 11 days

Sirene – Goldrausch 2020


Susanna Graf, THE SUPER BAD, HD Video, Videostill. Foto: Susanna Graf

Sirene – Goldrausch 2020
07. November 2020 – 10. Januar 2021
Kunstraum Kreuzberg/Bethanien

 

Susanna Graf, THE SUPER BAD, HD Video, Videostill. Foto: Susanna Graf

Laufzeit: 07. November 2020 – 10. Januar 2021
Öffnungszeiten: So–Mi 10.00–20.00 Uhr, Do–Sa 10.00–22.00 Uhr
Eintritt: frei
Ort: Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin


Website: www.goldrausch.org

Die Ausstellung Sirene – Goldrausch 2020 zeigt in Kooperation mit dem Kunstraum Kreuzberg/Bethanien vom 07. November 2020 – 10. Januar 2021 die Arbeiten der aktuellen Stipendiatinnen des Goldrausch Künstlerinnenprojekts


Das Jubiläum
30 Jahre Goldrausch Künstlerinnenprojekt: Das renommierte feministische Projekt aus Berlin präsentiert seine Jahresausstellung; mit Arbeiten von 15 internationalen Künstlerinnen – mit Wohnsitz in Berlin und Wurzeln auf fast allen Kontinenten. Die Schau im Kunstraum Kreuzberg vereint Videofilme, Installationen, Malerei, Soundobjekte, Performances und Skulpturen.

Die vielstimmigen Werke verhandeln persönliche und gesellschaftspolitische Fragen sowie Geschichte und Utopie, Mythen und Magie, Individualität und Gruppen. Sie dokumentieren belebte Dinge und Gefühle, die Auswirkungen des Anthropozäns auf Klima, Geografie und Mensch, das Leben in der digitalen Überwachung – und fragen danach, wie sich dies alles in Umwelt und Körpern manifestiert.

Der Titel „Sirene“ erinnert an das Gerät, das einen akustischen Warnton ausstößt und Aufmerksamkeit für wichtige Informationen erzeugt, die für alle gleichermaßen relevant sind. Die Goldrausch-Sirene fordert: Vielstimmigkeit und die Überwindung von Ausschlussmechanismen im Kunstfeld.

Der Status Quo
Das Goldrausch Künstlerinnenprojekt ist ein Professionalisierungsprogramm. Das einjährige Kursprogramm vermittelt Hintergrundwissen, umfassende berufliche Sachkenntnis und erschließt Netzwerke. Das Ziel von Goldrausch ist nach wie vor Gleichberechtigung, aber diese ist noch lange nicht erreicht. Der deutsche Kulturrat kritisierte in diesem Jahr, dass der Gender Pay Gap 2019 in der Berufsgruppe Bildende Kunst bei 28 Prozent lag, unverändert seit der letzten Erhebung 2016. Je höher das Einkommen, desto höher der Pay Gap – für Künstlerinnen bedeutet geringere Marktpräsenz zugleich auch weniger Verkäufe zu niedrigeren Preisen.

Das Phänomen der ungleichen Bezahlung beginnt früh in der Karriere: Eine Absolvent*innenstudie der Hochschule für bildende Künste Hamburg zeigt, dass Künstlerinnen sehr aktiv sind, zahlreicher als ihre männlichen Kollegen an Wettbewerben teilnehmen, diese auch gewinnen und außerdem auch häufiger ein Honorar und Budget aushandeln. Die Höhe eines Ausstellungshonorars allerdings ist im Mittel bei Männern mit 1.000 € doppelt so hoch wie bei Frauen.

Wie alles anfing
Frauen wurden in Deutschland ab 1919 zum Studium an Kunsthochschulen zugelassen. Ein erster Schritt. 70 Jahre später, 1989, startete das Goldrausch Künstlerinnenprojekt mit zwölf Frauen einen Pionierkurs in West-Berlin. Mit dem Titel Ohne Kompromiss – Strategien professioneller Selbstbehauptung reagierten die Projektgründerinnen Anne Marie Freybourg und Ute Birk auf die offensichtliche Kluft zwischen der künstlerischen Sichtbarkeit von Frauen und der von Männern. Das namensgebende Goldrausch Frauennetzwerk, Trägerverein des Programms, setzt sich seit 1982 für die berufliche Gleichstellung und wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen ein. 

Als zentrale Themen des Projektalltags erwiesen sich das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe; die kollegiale Beratung in einer verlässlichen Peer Group, die den Künstlerinnen wertvolles Feedback gibt.

In 30 Goldrausch-Jahren haben 447 Künstlerinnen am Programm teilgenommen, die jüngsten wurden erst nach dem Projektbeginn im Jahr 1989 geboren, manche Teilnehmerin erlebte eine Alumna als Professorin oder künstlerisches Vorbild. „Ex-Goldies“, wie sie sich selbst nennen, sind überall im Kunstfeld zugegen und durch die gemeinsame Erfahrung gut vernetzt. Seit dem Beginn des Programms vor 30 Jahren sind Künstlerinnen im Jahr 2020 deutlich stärker in der Kunstwelt präsent.

Projektleiterin Hannah Kruse bilanziert: „Vieles hat sich zum Positiven gewandelt. Was zu tun bleibt, ist die endgültige Überwindung tiefsitzender struktureller Ungleichheit – mit den Werkzeugen des Professionalisierungsprojekts, aber auch mit politischen Maßnahmen, die Gleichstellung ermöglichen.“ Die Goldrausch-Frauen fordern deshalb: Unterstützung der Vereinbarkeit von künstlerischer Arbeit und Familie, anonymisierte Vergabeverfahren bei Stipendien und Preisen, die Quotierung von Ankaufsetats und Projektbudgets und die Ergänzung von Sammlungen mit Werken von Künstlerinnen.

Kruse ist optimistisch, „dass in 30 Jahren die Arbeit getan sein wird, das Goldrausch Künstlerinnenprojekt sich selbst überflüssig gemacht hat und wir das ganze Bild sehen.“

Jubiläumsprogramm
Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums wird das Goldrausch Künstlerinnenprojekt von Oktober bis Dezember 2020 einen Blick auf die Arbeiten ehemaliger Teilnehmerinnen sowie auf die Geschichte und Gegenwart des Projekts werfen. Dazu werden auf der Goldrausch Webseite regelmäßig eine Auswahl von Texten und Bildern veröffentlicht. Zudem werden am Wochenende vom 5. und 6. Dezember Arbeiten von früheren Projektteilnehmerinnen zum Thema Kollaboration, Zusammenhalt, Selbstorganisation gezeigt: Alle Goldrausch Alumnae wurden über einen Open Call zur Teilnahme aufgerufen; die finalen Video-, Performance- und Soundarbeiten werden von einer Jury (Yalda Afsah, Kira Dell, Olaf Stüber) ausgewählt und für die beiden Tage auf der Projektwebsite zugänglich gemacht.

Die Künstlerinnen 2020
Yasmin Bassir, Chan Sook Choi, Solweig de Barry, Manja Ebert, Caterina Gobbi, Rosanna Graf, Mona Hermann, Emily Hunt, Sidsel Ladegaard, Gosia Lehmann, Julia Lübbecke, Silvia Noronha, Kristina Paustian, Eva Pedroza, Juliane Tübke.

Kuratorinnen: Surya Gied, Hannah Kruse.

 

Förderung
Das Goldrausch Künstlerinnenprojekt wird gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, Abteilung Frauen und Gleichstellung


 

Medienpartner


 


 

Grafik: Rimini Berlin