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Yves Netzhammer: Möbel der Proportionen, 2008, Film 28.03 min., DVD Video/PAL, Videostill, Courtesy Galerie Anita Beckers, Frankfurt, © Yves Netzhammer

Berlin, Haus am Waldsee, bis 14.11.2010

Frank Nitsche COCKTAILHYBRIDCONCEPT – feat. Yves Netzhammer

Neue Gemälde von Frank Nitsche (* 1964 in Görlitz) im Kontext der letzten zehn Schaffensjahre und im Dialog mit einem der interessantesten Videokünstler seiner Generation, Yves Netzhammer (* 1970 in Schaffhausen), dies ist der Stoff, aus dem “COCKTAILHYBRIDCONCEPT” aufgebaut ist. Getürmte Getränkedosenpakete mit extravaganten Aufklebern aus aller Welt sowie ein Medienfotoarchiv bilden den geistig-formalen Speicher der abstrakten Ölgemälde von Frank Nitsche. Die Bilder erinnern an technische Computerzeichnungen, Maschinen, Architekturkonstrukte, virtuelle Wissenschaftsmodelle oder auch an Materialreste von überwältigenden Verwüstungen durch die Natur.

Auf seinen Leinwänden sorgt der Künstler für die Kollision von Organischem und Künstlichem. Seine Abstraktionen in kräftigen Grau- und zarten Pastelltönen wirken artifiziell und bewegt. Linien- und Kurvenkonstrukte bilden absurde Handlungsräume, die vor neutralem Hintergrund ins Nichts führen. Sie reflektieren zersplittertes Glas und Beton. Zugleich berufen sie sich auf die wild wuchernde Bildproduktion unserer medienbesessenen Gegenwart. (off. press)

 


Monica Bonvicini, Built for Crime, 2006, Installation view Kunsthalle Fridericianum. Courtesy: the artist and Galerie Max Hetzler, Berlin. Photo: Nils Klinger

Kassel, Kunsthalle Fridericianum, bis 14. November 2010

Monica Bonvicini - Both Ends

Monica Bonvicini wirft in ihrer Kunst Fragen nach Gender- und Machtverhältnissen in unterschiedlichsten Kontexten auf. Im Zentrum stehen dabei die Bereiche Architektur und öffentlicher Raum, Berufswelt, Sexualität sowie Politik und Repräsentation, deren enge Verknüpfungen sie offen legt. Die Künstlerin untersucht öffentliche und private Räume auf ihre innere Logik, prüft die Wechselbeziehung von physischem und sozialem Raum und dekonstruiert das Verhältnis von Funktion, Adressat und Ästhetik in der Architektur. Das identitätsstiftende Moment in der Wahrnehmung des den Menschen umgebenden Raumes spielt dabei eine zentrale Rolle. Gebäude sowie urbane und suburbane Infrastruktur zeigen sich in Bonvicinis Augen keineswegs neutral, sondern im Gegenteil obsessiv, politisch-ideologisch und sexualisiert.

Die geschlechtliche Determinierung von spezifischen Räumen, von Berufen und bestimmten Verhaltensmustern steht bei Monica Bonvicini immer wieder im Mittelpunkt. Architektur als traditionell männliche Domäne, ebenso wie das Berufsbild des Bauarbeiters und die dadurch produzierten Klischees greift die Künstlerin auf und untersucht in ihren Arbeiten die den Stereotypen zugrunde liegenden Mechanismen. Materialien wie Latex, Leder, Stahl und Beton, die durch ihre Beschaffenheit zu Vermittlern gesellschaftlich verhafteter Assoziationen werden, setzt sie in unerwartete Kontexte und stellt somit neue Verknüpfungen her. In der Serie Leather Tools, 2004-2009, ließ Bonvicini verschiedene Werkzeuge mit schwarzem Leder beziehen und verwandelte die Gegenstände auf diese Weise, durch die rein assoziative Kraft des Materials, in Fetische. (off.press)

 


Joan Miró: Femmes et oiseau dans la nuit, 1947, Öl auf Leinwand, 63 x 92 cm, Calder Foundation New York, © Successió Miró / VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Baden-Baden, Museum Frieder Burda, bis 14. November

„Miró. Die Farben der Poesie“

Unter diesem Titel zeigt das Museum rund 100 Werke des Katalanen, der die Kunst des 20. Jahrhunderts so stark geprägt hat. Die Bilder decken sechs Jahrzehnte des Werks von Miró ab. Mehrere renommierte Privatsammler und Museen aus aller Welt haben Bilder nach Baden-Baden geschickt: unter anderem das Centre Pompidou in Paris, die Fondation Beyeler in Riehen, die Kunstmuseen von Basel und Bern, die Phillips Collection in Washington und das Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid. Es ist eine größere Zahl an Kunstwerken direkt aus dem Besitz der Familie Miró zu sehen, was eine äußerste Seltenheit ist. Auch die Fundació Joan Miró in Barcelona und Palma de Mallorca leiht dem Museum Frieder Burda hochkarätige Werke. Insgesamt sind über 30 internationale Leihgeber in die Miró-Schau eingebunden.

Die farbenfrohen Gemälde bilden den Schwerpunkt der Ausstellung und werden durch Papierarbeiten, Keramiken und Skulpturen ergänzt. Kuratiert wurde die Ausstellung von Jean-Louis Prat. Er hat bereits zu Lebzeiten Mirós Ausstellungen für ihn organisiert und war gut mit ihm befreundet. Jean-Louis Prat gilt als weltweit beachteter Experte zum Thema Skulptur. Er kuratierte für das Museum Frieder Burda 2008 bereits die Ausstellung „Die Skulpturen der Maler“ und im Jahr 2006 die große Chagall-Ausstellung, die über 190.000 Kunstinteressierte besuchten. (off. press)

 


Hendrik Kerstens (* 1956 Den Haag lebt in Amsterdam und New York), Bag, November 2007, C-Print auf Dibond, 108 x 87 cm, Teutloff Photo + Video Collection, Bielefeld

Köln, Wallraf-Richarts-Museum, 17. September 2010 bis 9. Januar 2011

Auf Leben und Tod - Der Mensch in Malerei und Fotografie

Die Sammlung Teutloff zu Gast im Wallraf - Helmut Newton & Jean Ingres, Nan Goldin & François Boucher, Herlinde Koelbl & Wilhelm Leibl oder Jack Pierson & Barthel Bruyn,

so heißen nur vier der mehr als 50 ungewöhnlichen Dialoge, die das Wallraf ab 17. September 2010 in Szene setzt. Unter dem Titel „Auf Leben und Tod“ treffen dort ausgewählte Meisterwerke der Kölner Gemäldegalerie auf herausragende Fotografien der TEUTLOFF PHOTO + VIDEO COLLECTION. Im Fokus stehen dabei Glanz und Elend der Gattung Mensch. Die Themen Geburt und Tod, Glück und Leid oder Zuversicht und Verzweiflung werden dabei in all ihren Facetten dargestellt.

Die Gegenüberstellungen von Fotokunst und Malerei sind für die Besucher verblüffend und lehrreich zugleich. So zeigen sie, wie die Bildformeln Alter Meister auf unterschiedlichste Weise bis in die heutige Zeit fortwirken. Selbst die aktuelle Fotografie benutzt, zitiert oder parodiert die Malkunst. Gleichzeitig hat das jüngere Medium zudem neue Formen entwickelt, um das veränderte Menschenbild festhalten zu können. Themen wie Körperbewusstsein oder sexuelle Identität werden wie selbstverständlich inszeniert. Derartig explizite Darstellungen wären in der alten Kunst undenkbar gewesen. (off. press)

 


Dieter Roth, Kleiner Sonnenuntergang, 1968, Wurst auf blauem und weißem Papier in Plastiktasche, Foto: Kunstmuseum Stuttgart, © Dieter Roth Estate, Courtesy Hauser und Wirth

Stuttgart, Kunstmuseum Stuttgart, 18. September 2010 – 9. Januar 2011

EAT ART. Vom Essen in der Kunst

In den 1960er Jahren begann der Schweizer Künstler Dieter Roth mit Nahrungsmitteln zu experimentieren: Wurstscheiben, Schokolade oder Gewürze wie Anis dienten ihm als Material für seine Kunstobjekte. Zeitgleich gestaltete sein Landsmann Daniel Spoerri so genannte »Fallenbilder«, in denen er die Reste einer Mahlzeit auf einem Träger fixierte und wie ein Gemälde an die Wand hängte. Spoerri war es auch, der den Begriff »Eat Art« prägte: eine Bezeichnung für Kunst mit und aus Essbarem. Ausgehend vom Sammlungsschwerpunkt Dieter Roth, präsentiert das Kunstmuseum Stuttgart anhand von Objekten, Installationen und Filmen die Verwendung von Lebensmitteln in der Kunst von Ende der 1960er Jahre bis heute.

Neben Dieter Roth, Daniel Spoerri, Joseph Beuys, Roy Lichtenstein und Gordon Matta-Clark, die sich mit den existenziellen wie sinnlichen Aspekten des Essens und Kochens befassen, kommen in der Ausstellung auch jüngere Künstlerinnen und Künstler zu Wort: Sonja Alhäuser, Anya Gallaccio, Mika Rottenberg, Thomas Rentmeister, Zeger Reyers oder Shimabuku reflektieren in ihren Werken die Produktion, Verwertung und der Konsum von Lebensmitteln in einer globalisierten Gesellschaft. Parallel zur Ausstellung findet ein umfangreiches Begleitprogramm rund um das Thema Essen und Kunst statt. (off. press)

 


Eadweard Muybridge, Leland Stanford, Jr. on his Pony “Gypsy”—Phases of a Stride by a Pony While Cantering 1879, Wilson Centre for Photography

London, Tate Britain, bis 16 January 2011

Eadweard Muybridge

Muybridge was the man who famously proved a horse can fly. Adapting the very latest technology to his ends, he proved his theory by getting a galloping horse to trigger the shutters of a bank of cameras. This experiment proved indisputably for the first time what no eye had previously seen – that a horse lifts all four hooves off the ground at one point in the action of running. Seeking a means of sharing his ground-breaking work, he invented the zoopraxiscope, a method of projecting animated versions of his photographs as short moving sequences, which anticipated subsequent developments in the history of cinema.

British-born Eadweard Muybridge, who emigrated to the United States in the 1850s, is one of the most influential photographers of all time. He pushed the limits of the camera's possibilities, creating world-famous images of animals and humans in motion. Just as impressive are his vast panoramas of American landscapes, such as the Yosemite valley, and his documentation of the rapidly growing nation, particularly in San Francisco. His dramatic life included extensive travels in North and Central America, a career as a successful lecturer, and the scandal of his trial for the murder of his wife's lover. (off. press)

 


Edgar Degas - Clase de danza - c. 1880 - Óleo sobre lienzo - 39,4 x 88,4 cm - Clark Art Institute

Barcelona, Museu Picasso, 15 October 2010 to 16 January 2011

Picasso looks at Degas

The outcome of extensive international research, this exceptional show brings together outstanding works on loan from some of the world’s most important institutions and collections, and promises to make a unique contribution to the reappraisal of Picasso’s work.

Picasso-Degas casts a new light on the emergence of modernism in the twentieth century, as a new generation of artists assimilated, reinvented or turned away from the Impressionist art of their predecessors. By letting us see Degas through Picasso’s eyes it reveals significant aspects of the way the Spanish painter perceived the past and revisits Degas’s own radicalism. The exhibition will bring together between 120 and 130 pieces, including a large number of paintings and sculptures by the two artists, with the aim of offering adequately documented examples of Picasso responding directly to Degas, as well as bringing out more unexpected conceptual affinities between their works. The thematic sections cover Picasso’s early academic training, the young artist’s interest in Degas’s imagery of modern life, the two painters’ shared obsession with toilette scenes, Picasso’s experiments in three dimensions in comparison to Degas’s, Picasso’s fascination with the ballet and Picasso’s prolonged dialogue with the French artist in the graphic work of his last years. (off. press)

 


Basel, Fondation Beyeler, bis 16. Januar 2011

Wien 1900 Klimt, Schiele und ihre Zeit

Wien um 1900 gehört mit der Wiener Secession und der Wiener Werkstätte zu den Geburtsstätten der Moderne. Die Fondation Beyeler organisiert zu diesem facettenreichen Thema die erste grosse Ausstellung in der Schweiz. Es werden rund 200 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen gezeigt, dazu Architekturmodelle, Möbel, Textilentwürfe, Glas- und Silberobjekte, Künstlerplakate und Fotografien.

Im Zentrum der Ausstellung zur Wiener Moderne stehen die berühmten ornamentalen Porträts und Landschaften von Gustav Klimt, die ausdrucksstarken Körperdarstellungen von Egon Schiele sowie die legendären erotischen Zeichnungen beider Künstler. Zudem werden Werke von Oskar Kokoschka, Richard Gerstl und Arnold Schönberg präsentiert. Als roter Faden zieht sich durch die Ausstellung die Idee des Gesamtkunstwerks, die für die Künstler, Kunsthandwerker und Architekten der Wiener Secession und der Wiener Werkstätte ein Leitmotiv war: Davon legen die Modelle und Zeichnungen wichtiger Architekturbauten und die Möbel der bedeutendsten Architekten dieser Zeit – darunter Otto Wagner, Joseph Maria Olbrich, Josef Hoffmann, Adolf Loos – ebenso beredtes Zeugnis ab wie die Objekte der angewandten Kunst, allen voran diejenigen von Koloman Moser.(off. press)

Bild: Gustav Klimt: Goldfische,1901/1902, Öl auf Leinwand, 181 x 67 cm, Kunstmuseum Solothurn, Dübi-Müller-Stiftung

 


Ernst Ludwig Kirchner (1880 - 1938): Junges Mädchen, 1918 , Holzschnitt, farbiger Druck, 48,9 x 44,3 cm, © Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett / bpk, Photo: Christoph Irrgang

Hamburg, Kunsthalle, Hubertus-Wald-Forum, bis 16. Januar 2011

Kirchner

Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938), Gründungsmitglied der Künstlergruppe „Brücke“ in Dresden 1905, gilt als einer der einflussreichsten deutschen Künstlerpersönlichkeiten der Klassischen Moderne. Als Wegbereiter der expressionistischen Kunst erzielte er besonders im Bereich der Druckgraphik die innovativsten Formlösungen seiner Zeit. Die Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle bietet einen repräsentativen Überblick über Kirchners wichtigste Schaffensphasen: das Frühwerk mit Atelier- und Straßenszenen aus Dresden und Berlin, die Sommeraufenthalte auf der Ostseeinsel Fehmarn sowie das in Davos entstandene Spätwerk.

Im Mittelpunkt stehen die Gemälde aus dem Sammlungsbestand, erweitert durch ausgewählte Leihgaben, die unbestritten zu den Höhepunkten im malerischen OEuvre Kirchners zählen. Erstmals sind die Bilder im Zusammenhang mit ihren vorbereitenden Skizzen, die größtenteils aus Privatsammlungen stammen, und mit der motivisch verwandten Druckgraphik sowie mit Photographien des Künstlers als einheitlicher Werkblock ausgestellt. Durch diese gattungsübergreifende Präsentationsform wird dem Besucher eine faszinierende Möglichkeit geboten: durch das vergleichende Betrachten der Originale kann Kirchners Schaffensprozess von der ersten flüchtig skizzierten Bildidee bis zum endgültigen Gemälde nachvollzogen werden...(off.press)

 


Pierre Soulages: Peinture 324 x 181 cm, 17 novembre 2008
, Acryl auf Leinwand
, Privatsammlung © Photo: George Poncet, Archive Soulages / VG Bild-Kunst Bonn, 2010

Berlin, Martin Gropiusbau, 2. Oktober 2010 bis 17. Januar 2011

Pierre Soulages

Pierre Soulages ist einer der weltweit bedeutendsten abstrakten Maler der letzten Jahrzehnte. Anlässlich seines 90. Geburtstages wurde er mit einer Retrospektive im Centre Pompidou in Paris geehrt. Ab 2. Oktober 2010 zeigt der Martin-Gropius-Bau Berlin diese Ausstellung in veränderter Form.

Drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, 1948, beteiligte er sich an der damals wegbereitenden Ausstellung „Französische abstrakte Malerei“, die auch in Berlin zu sehen war. Er war der jüngste einer Gruppe von Meistern der abstrakten Kunst: Kupka, Doméla, Herbin. Über 70 Bilder aus allen Schaffensperioden, von den Arbeiten mit Nussbeize (1947 bis 1949) bis zu den radikal schwarzen bis zu drei Meter hohen Gemälden der letzten Jahre werden gezeigt. Viele werden erstmals in Deutschland ausgestellt. Sie verdeutlichen die Dynamik einer künstlerischen Entwicklung im Werk dieses berühmtesten zeitgenössischen französischen Künstlers.

Pierre Soulages ist – wie wohl jeder Maler – vom Phänomen des Lichts fasziniert. Er sucht akribisch nach Möglichkeiten, Licht in der Farbe Schwarz arbeiten zu lassen. Arbeiten, in denen sich zu Schwarz auch eine zweite Farbe wie Blau oder Rot gesellt, bleiben in seinem Werk Ausnahmeerscheinungen. (off. press)

 


Gustave Caillebotte
: Rue de Paris, temps de pluie, (
Straße in Paris, an einem Regentag), 1877
, The Art Institute of Chicago, Charles H. and Mary F.S. Worcester Collection
Photography 
© The Art Institute of Chicago, 2010, www.artic.edu/aic

Essen, Museum Folkwang, bis 30. Januar 2011

Bilder einer Metropole – Die Impressionisten in Paris

Museum Folkwang holt Meisterwerke aus Paris nach Essen. Mit einer Großausstellung über die erste Metropole der Moderne in Europa zeigt das Museum Folkwang, Essen spektakuläre Leihgaben, die der ersten Metropole der Moderne in Europa gewidmet ist.

Die Ausstellung zeigt insgesamt ca. 80 Gemälde der berühmtesten Impressionisten wie Manet und Pissarro, Monet und Renoir, und bedeutende Zeitgenossen wie Caillebotte, Luce oder Goeneutte. Zu den Hauptwerken zählen Renoirs Tanz im Moulin de la Galette, 1876, aus dem Musée d’Orsay, Manets Die Eisenbahn, 1873, aus der National Gallery Washington und Caillebottes Straße in Paris, an einem Regentag, 1877, aus dem Art Institute of Chicago. Zugleich konzentriert sich die Ausstellung mit ca. 125 Fotografien der Zeit, darunter Meisterwerke von Gustave Le Gray, Edouard Baldus, Charles Marville, Henri Rivière oder Eugène Atget auf die entscheidenden Momente der Stadtfotografie.

Die Ausstellung im Neubau von David Chipperfield Architects erschließt die Metropole Paris zwischen 1860 und 1900 in mehreren Kapiteln: Sie beginnt mit dem Panorama-Blick vom Montmartre, zeigt Boulevards und Straßen, Plätze und Monumente, Parks und Cafés, den Blick aus Wohnungen und Ateliers. Sie lässt den Besucher wie einen Flaneur entlang den Quais schlendern, durch die neuen Viertel streifen und die Vororte erkunden, um – ins pulsierende Großstadtleben zurückgekehrt – die Vergnügungslokale und Restaurants, Theater, Oper und Zirkus bei Nacht aufzusuchen. (off. press)

 


GUSTAVE COURBET: Biche et chevreuils près d?une rivière (Winterlandschaft mit Rotwild), um 1866, Öl auf Leinwand, 73,5 x 92,5 cm, Sammlung Stiftung E.G. Bührle, Fotografie: SIK, J.-P. Kuhn

Frankfurt/Main, Schirn Kunsthalle, bis 30. Januar 2011

COURBET - EIN TRAUM VON DER MODERNE

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt widmet Gustave Courbet die erste umfassende Ausstellung in Deutschland nach über dreißig Jahren.

Der französische Maler Gustave Courbet (1819–1877) ist einer der faszinierendsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Er gilt als bedeutendster Vorkämpfer einer politisch-realistischen Malerei und als Revolutionär der Pariser Commune. Courbet hat aber auch eine ganz andere Seite: Er war einer der großen Träumer der Geschichte. In seinen Porträts, aber auch in seinen Landschaftsbildern, Zeichnungen und Stillleben schildert er eine Welt der Nachdenklichkeit und der Wendung nach innen – ganz im Gegensatz zur hektischen Industrialisierung seiner Zeit. Anhand von rund 100 Werken aus 11 Ländern – darunter Leihgaben aus Stockholm, Paris, Montpellier, Los Angeles, New York und Oslo – wird vom 15. Oktober 2010 bis 30. Januar 2011 in der Schirn Kunsthalle Frankfurt erstmals dieser „andere“ Courbet vorgestellt. Mit der von Professor Klaus Herding kuratierten Ausstellung wird gezeigt, wie Courbet ausgehend von der deutschen Romantik die Vision einer poetischen Kunst der Moderne realisiert hat, wie sie in der Folge bei Cézanne und Picasso, aber auch im Symbolismus, im Surrealismus und im magischen Realismus weiterentwickelt wurde. Die traumwandlerische Sinnlichkeit, die viele von Courbets Werken ausstrahlen, aber auch die Versenkung in entlegene, der Außenwelt verborgene Gegenden, sind ein Grund dafür, dass sich heute viele Künstler der Gegenwart auf ihn berufen... (off.press)

 


marlene dumas, naomi, 1995, privatsammlung, © marlene dumas

München, Haus der Kunst, 29. Oktober 2010 - 6. Februar 2011

Tronies - Marlene Dumas und die Alten Meister

Die Dialogausstellung stellt den Arbeiten von Marlene Dumas historische Beispiele für die Bildform der Tronie gegenüber. Tronies sind Darstellungen von Köpfen, die sich durch besonders virtuose Handhabung der künstlerischen Mittel, starken Ausdruck und individuelle Physiognomie auszeichnen. Erst in jüngster Zeit wurde die Bildform der Tronie von der kunstgeschichtlichen Forschung entdeckt.

Tronies

Der Begriff stammt aus dem niederländischen Sprachgebrauch des 16. und 17. Jahrhunderts und bedeutete soviel wie 'Kopf', 'Gesicht' oder 'Miene'. Tronies wurden zunächst als Vorlage für Figuren in Historiengemälden nach dem lebenden Modell gemalt. Als Proben von der Handschrift eines Künstlers waren sie bei Sammlern besonders begehrt. Im Laufe des 17. Jahrhunderts emanzipierte sich die Bildform: Die Werke wurden als autonome Kunstwerke geschaffen und auf dem Kunstmarkt angeboten. Diese Entwicklung wurde maßgeblich von den beiden jungen Malern Jan Lievens und Rembrandt in Leiden forciert. In den nördlichen Niederlanden waren auch Amsterdam, Delft und Haarlem wichtige Zentren der Produktion von Tronies. In den südlichen Niederlanden widmeten sich die führenden Meister Peter Paul Rubens, Anton van Dyck und Jacob Jordaens der Tronie, die in deren Werkstätten auch zu Schulungszwecken eine wichtige Rolle spielte. Anders als das Porträt erfüllte die Tronie keine repräsentative Funktion. Die Köpfe werden meist isoliert und knapp ausgeschnitten vor einem neutralen Hintergrund gezeigt. Die Identität des Dargestellten ist nebensächlich. Anders als Figurenbilder und religiöse Einzelfiguren lassen sich Tronies nicht ohne weiteres auf moralische oder erzählende Inhalte festlegen. Vielmehr loten sie das Spektrum menschlicher Physiognomie und Affektäußerung aus und spiegeln charakterologische Vorstellungen, die der Frühgeschichte der Psychologie angehören. Der Betrachter bekommt die Freiheit für eigene Assoziationen. (off. press)

 


Rover Thomas (ca. 1926-1998, Kukatja/Wangkajungka, Western Australia/Northern Territory), Ngarin Janu Country vor 1988, 100 x 140 cm, Natürliche Pigmente auf Leinwand / natural pigments on canvas, Art Gallery of New South Wales, Sydney, © Estate of Rover Thomas, courtesy Warmun Art Centre

Köln, Museum Ludwig, 20.11.2010 bis 20.03.2011

Remembering Forward – Malerei der australischen Aborigines seit 1960

Es ist weit mehr als lebendige Erinnerung - es ist eine sinnhafte, nicht lineare Verflechtung von Vergangenem und Zukünftigem, Ursachen und Wirkungen, die die Malerei der australischen Aborigines prägt. In Europa sind die außergewöhnlichen Kunstwerke noch weitgehend unbekannt. Das Museum Ludwig widmet der Malerei der australischen Aborigines nun eine umfangreiche Sonderausstellung, in der rund 50 Gemälde von neun herausragenden Künstler/-innen aus den letzten fünf Jahrzehnten gezeigt werden.

Trotz ihres Ursprungs in entlegenen Gebieten Australiens sind die Werke dieser indigenen Künstler zentrale Beiträge zur internationalen zeitgenössischen Kunstproduktion, die den Blick auf Malerei zu erweitern vermögen. Die Ausstellung erschließt mit der Auswahl von Künstlern aus verschiedenen Regionen - Western und Central Desert, Kimberley, Arnhem Land - auch die Vielfalt der höchst unterschiedlichen indigenen Kulturen Australiens.

Das Werk von neun herausragenden Künstlern wird als schöpferische Durchdringung von Tradition und Moderne sichtbar.

Die Ausstellung legt besonderes Augenmerk darauf, die hinter den Werken stehenden Künstlerpersönlichkeiten in ihrer individuellen Entwicklung sichtbar werden zu lassen. Ihre Arbeiten werden nicht allein als Ausdruck ihrer kulturellen Zugehörigkeit verstanden, sondern als Durchdringung von Tradition und Moderne durch Kunst. In ihren Themen beziehen sich die Künstler auf ihre jeweiligen Dreamings - Erzählungen aus der Schöpfungszeit. Diese Schöpfungsmythen beschreiben nach indigener Vorstellung, wie die Ahnen das Land gestaltet haben und reichen dabei aber bis in die Zukunft. So müssen diese Werke auch vielmehr als hochaktuelle Auseinandersetzung denn als kulturhistorische Aufarbeitung betrachtet werden, die im Zusammenspiel mit neuen Materialien wie Acrylfarbe und Leinwand zur Entwicklung inhaltlich wie formal äußerst innovativer Darstellungsweisen führten. (off.press)