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Théodore Gudin, Boote am Strand bei Ebbe, um 1840, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Dauerleihgabe der Christoph Heilmann Stiftung, Foto: Lenbachhaus

München, LENBACHHAUS, bis 18. AUGUST 2019

 

NATUR ALS KUNST

 

 

Nach einer zweijährigen Tournee durch Deutschland kehrt die Sammlung der Christoph Heilmann Stiftung im März mit einer Ausstellung ins Lenbachhaus zurück. In einem ungewöhnlichen Münchner „Gipfeltreffen“ werden in der Ausstellung Natur als Kunst die Gemälde der Heilmann-Sammlung mit Fotografien aus dem Münchner Stadtmuseum in einen konstruktiven Dialog treten. Zwei der innovativsten Bildmedien des 19. Jahrhunderts – die freimalerische Ölskizze und die präzise Naturfotografie – revolutionierten jedes auf seine Weise das Landschaftsbild.

 

Im 19. Jahrhundert wurden für die Darstellung der Natur neue Motive, neue Techniken und neue Arbeitsbedingungen wirksam. Die Landschaftsmaler und bald darauf auch ihre Kollegen, die Fotografen, tauschten das Atelier gegen das Reisen und den inneren Imaginationsraum gegen das Erlebnis der freien Natur. Wie sahen, malten und fotografierten sie die Natur? Landschaftsmaler wie Fotografen verließen die etablierten Reiserouten, schlugen abseitige Wege ein. Sie setzten sich eingehend mit dem Wetter in seinen unterschiedlichen Erscheinungsweisen auseinander und studierten aufmerksam besondere geologische Phänomene. Nicht mehr nur im Süden, auch in der heimischen, wilden und rauen Natur des Nordens fanden sie ihre Motive. Sie wandten sich dabei gänzlich Unspektakulärem zu und erkannten in Verwitterungsstrukturen und in Licht- und Schattenspielen eine andere Art von Schönheit.

 

 

Mit der wissenschaftlichen Erforschung der Natur ging das Aufblühen einer künstlerischen Gattung einher, die den radikalen Bruch mit der Tradition des klassischen Landschaftsbildes vollzog und den Aufbruch von Malerei und Fotografie in die Moderne einleitete. Zumeist waren es an den Kunstakademien ausgebildete Maler wie Giacomo Caneva oder August Kotzsch, die nun ihre Kamera im Unterholz, auf der Wiese oder vor fließenden Gewässern aufbauten, um flüchtige Natureindrücke wirklichkeitsgetreu zu erfassen. Im breiten Umfang fanden diese fotografischen Naturstudien seit 1855 Eingang in die Künstlerateliers. Umfassende Sammlungen fotografischer Baum-, Wolken- und Tierstudien dienten den Malern – ähnlich wie ihre eigenen naturnahen Ölskizzen – als Gedächtnisstütze oder als Korrektiv ihrer künstlerischen Wahrnehmung. (off. press)

 


Pipilotti Rist, „Homo sapiens sapiens“, 2005, Audio-Video-Installation (Videostill), Pipilotti Rist, Courtesy: die Künstlerin, Hauser & Wirth und Luhring Augustine

Berlin, Martin Gropius Bau , vom 26. Juli bis 1. Dezember 2019

Garten der irdischen Freuden

Vom 26. Juli bis 1. Dezember 2019 bietet die Ausstellung Garten der irdischen Freuden im Gropius Bau in der Zusammenschau politischer und poetisch-sinnlicher Positionen gleichermaßen Raum für Inspiration und kritische Reflexion: Über 20 internationale Künstler*innen interpretieren das Motiv des Gartens als eine erweiterte Metapher für den Zustand der Welt, um die komplexen Zusammenhänge unserer chaotischen und zunehmend prekären Gegenwart zu erforschen.

 

Seit Jahrhunderten arbeiten Künstler*innen mit dem Motiv des Gartens als Ort der Inspiration und kritischen Reflexion. In der heutigen Zeit, die durch einen radikalen Klimawandel und Migrationsbewegungen bestimmt ist, wird der Garten als poetische Ausdrucksform und Kristallisationspunkt fundamentaler Aspekte menschlicher Existenz zu einem Instrument, um unsere Gegenwart in all ihrer Komplexität und Widersprüchlichkeit zu erkunden.

Neben der klassischen Lesart des Gartens als einem abgeschlossenen und begrenzten Sehnsuchtsort voll meditativer, spiritueller und philosophischer Möglichkeiten, wird er in der Ausstellung als ein Ort der Dualität und des Widerspruchs sowie eine Metapher für einen Zustand des Ausgegrenztseins begriffen: als ein Grenzbereich zwischen Realität und Fantasie, Utopie und Dystopie, Harmonie und Chaos, Eros und Perversion, Natürlichkeit und Künstlichkeit, dem Ausgeschlossen- und dem Teilsein – ein Paradies, dem das bedrohliche Gefühl der Vertreibung innewohnt. Die zahlreichen Perspektiven der Ausstellung spiegeln sich auch in der Auswahl der präsentierten Medien wieder, die Installation, Performance, Film und Sound, Gemälde, Fotografie, Zeichnung und Skulptur umfassen. 

Garten der irdischen Freuden reflektiert die Idee des Gartens auch politisch und aus unterschiedlichen kulturellen und philosophischen Blickwinkeln. Durch eine Vielzahl zeitgenössischer künstlerischer Positionen verhandelt die Ausstellung soziale, politische und ökologische Phänomene wie Migration, Kolonialisierung, Globalisierung, Kapitalismus sowie Gentrifizierung und zeigt Strategien, die den Garten subversiv instrumentalisieren und so zum politischen Nährboden formen. (off. press)

 


Cao Fei, Asia One, 2018 (still), Multichannel color video installation, with sound, dimensions variable, © Cao Fei

Berlin, Kulturforum Sonderausstellungshallen, September 5, 2019 – January 26, 2020


Micro Era. Media Arts from China 

 

A special exhibition of the Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin and the Gesellschaft für Deutsch-Chinesischen kulturellen Austausch e.V. (GeKA e.V.), as part of the twin city anniversary of Berlin and Beijing. Funded by the LOTTO-Stiftung Berlin.


The special exhibition „Micro era. Media Arts from China“ at the Kulturfo- rum in Berlin will showcase media arts from multiple generations of Chi- nese artists. It is organised by a Chinese-German team of curators and features four artists who are currently based in China: Cao Fei (*1978), Lu Yang (*1984), Fang Di (*1987) and Zhang Peili (*1957). 

 

From documentary film pictures, and the adapted use of classic film lan- guage to the aesthetics of Japanese anime, the works of art in this exhibi- tion focus on and explore relationships between mind, body and technolo- gy, with installations and single-channel-videos ranging from the 1990s to the present. The title „Micro Era“ refers to the eponymous short story by the widely translated and published Chinese science fiction author Cixin Liu (2013) that tells of a future far from the belief in human predominance. 

 

Historically, within a Euro-American context, video art is often regarded as a democratising art form – through the rapid circulation of information and global events by fast-access technologies. The artists participating in the exhibition scrutinise this thesis of democratisation by reflecting in their visual language the mass production of goods as well as how images and virtual subjectivities are produced and consumed. What role does the hu- man play in a time of digital consumption? How do the artists understand their world through imaging technology, then and now? (off. press)



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